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wieder zurück in österreich…noch ein paar gedanken

29. November 2010
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Ein paar Gedanken möchte ich noch fortsetzen zu meinem letzten Post:
Inzwischen sind die Familie Komani und Familie Zogaj zurück in Österreich.
Bei Familie Komani ging es sehr schnell, innerhalb von Tagen nach der Abschiebung auf größten öffentlichen Druck, massiver Kritik internationaler Menschenrechtsorganisationen und möglichem, vollkommenen Gesichtsverlust der Innenministerin. Kurz nach der Abschiebung wurde der Leiter der Fremdenpolizei „rausgeworfen“. Das ging sehr schnell. Niemand übernahm tatsächlich die Verantwortung für die Entscheidung ím Fall Komani. In einer sehr bekannten österreichischen Tageszeitung las ich in jenen Tagen einen Artikel hierzu,…..wie beiläufig stand dort:.“Arigona bald zurück“…..“und auch ein anderer Fall könnte für die Betroffenen glücklich enden.. Es sei ein „Happy End“ für die Familie mit den Zwillingsmädchen.
Dieser „beiläufige“ Fall der Familie Zogaj führte fast zu einer gespaltenen Nation, in der sich deutlich die „innere Heimat“ der Bevölkerung zeigte. Arigona – damals ein Teenager, heute 18 – hielt ganz Österreich fast vier Jahre in Atem! Ein mutiges Mädchen, sehr mutig, denn sie ist aufgestanden! Aus der Flucht in die Flucht! Für Jahre ein untergetauchtes Leben als Teenie, um ihre Familie zu schützen und zu retten. Profil bezeichnet sie in seiner Januarausgabe 2010 als „Mensch des Jahres“. Andere Teenies in diesem Alter konzentrieren sich auf Shoppen, Handy, Freunde…fühlen sich SICHER.
Am Mittwoch vergangener Woche reiste Familie Zogaj mit legalen Visa zurück nach Österreich, nachdem sie im Juli 2010 „freiwillig“ ausgereist waren. Ich gönne es Ihnen, vor allem Arigona, von ganzem Herzen. Soviel Mut verdient ein Leben. Es lässt meine Tränen laufen….manche Native-Kulturen sagen: „Tränen sind die Heilung für’s Land„.
All den vielen Negativ-Kommentaren und „Aufregern“ wünsche ich keine Sekunde den Lebens- und Gefühlstausch mit den Millionen Menschen aus Kriegs-, Krisen- und Katastrophengebieten. Natürlich haben diese Themen viele Seiten, berechtigte und unberechtigte. Doch wo auf der Welt gibt es die nicht???????!! Egal in welchem Land.
Abgesehen von all den politischen, gesetzlichen Hintergründen, der gelenkten Berichterstattung, der Fremdenrechtsgesetzgebung, demütigender kritischer und rechtsgerichteter Aussagen, hat Arigona ganz grundlegende Dinge aufgezeigt, stellvertretend für all die vielen Komanis und Zogajs in Europa. Auch mal davon abgesehen, welche seltsamen Wege auf unserer Erde Religionen, Kulturen, Politik für ihre jeweiligen Argumente nutzen! Letztendlich: wer macht Gesezte, Regeln, wer trifft Entscheidungen, wer demütigt, wer richtet, wer schiesst, wer gibt Befehle, wer hat Macht…..? WIR, die Menschen selbst. Niemand außer uns legt diese Dinge fest. Somit hätten wir im Grunde auch immer die Wahl.
Es macht einen großen Unterschied, ob wir aus Freiheit FREI sind zu gehen, wohin wir möchten, oder ob wir gehen MÜSSEN, weil es eine mögliche letzte, ungewisse Perspektive für’s Überleben darstellt.
Für jeden Menschen ist es legitim und existenziell, die innere Bindung seiner Herkunft und Kultur im Sinne der eigenen Identität behalten zu dürfen. Es ist unsinnig zu glauben, dass jemals ein europäischer Auswanderer – es sei hier nur ein stellvertretendes Beispiel– in Afrika, auch in seinem Allerinnersten, in seiner tiefsten Seele durch und durch ein Massai würde. Selbst, wenn wir uns perfekt anpassen, es bleibt Innen immer Etwas – es könnte vergleichbar sein mit dem „genetischen Erinnerungsvermögen“ der Pflanzen. Eine australische Backhousia citriodora (Zitronenmyrte) wird sich nicht auf einmal in eine Blutbuche verwandeln, nur weil sie als Kübelpflanze in Mitteleuropa auf einer Terrasse gezogen wird.
Sei es die vertraute Tonation der Muttersprache (selbst wenn wir sie nicht mehr sprechen), seien es Gerüche, Farben, der Wind, die Farbe der Erde, es kann nicht gelöschst werden. Sicher gibt es viele Fälle, die verständlicherweise aus verschiedensten Gründen keine Bande mehr möchten. Ich persönlich verstehe auch das sehr gut. Dennoch bleibt es in Dir.
Es gibt unendlich viele Komanis und Zogajs, was es zuwenig gibt ist GLEICHWERTIGKEIT.
In diesem Sinne schreibe ich nun wieder zur Aromatherapie.
ps: die gedruckte Ausgabe des profil 4. Januar 2010 stellt die Geschichte ausführlich dar.
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