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Patchouli

29. Dezember 2010

 Pogostemon cablin (Blanco) Benth ist die botanische  Bezeichnung für Patchouli. Mit diesem Duft wird in unserem Kulturraum oft die Flower-Power Zeit der sechziger Jahre, Alternativ-Ethno-Studierende, exotisch, indische Schönheiten, verbunden. In Großbritannien wurde dieser Duft um etwa 1820 eingeführt. Edle pakistanische und indische Baumwoll-, Seiden- und Kaschmirstoffe sowie hieraus gewebte Schals (Schal: (Persisch (P)Farsi: شال, Shāl, von Sanskrit: śāṭī) wurden dazumals für die englische Gesellschaft mit Patchouli beduftet. Unser heutiges Wort „Patchouli“ entstammt der südindischen tamilischen Sprache: patchai=grün, (ilai)-ellai=Blatt. Patchouli-Duft stieg in der englischen Gesellschaft auf der Beliebtheitsskala ganz nach oben. Womit nicht nur die getrockneten Blätter als Füllung von Kissen und Sachets, sondern auch das Öl und die damit bedufteten Stoffe eine Zeitlang einen hohen wirtschaftlichen Aspekt erreichten.

Europäische Nasen assoziieren einen leicht mystischen Charakter mit diesem warm-erdigen Öl. Die Ursprungsheimat der Patchouli-Pflanze finden wir in den indischen Hochebenen, Indonesien, Malaysia, Java, Burma Sumatra, China und anderen ostindischen-asiatischen Ländern sowie in Afrika. Es wächst als buschiger Halbstrauch in etwa 40-90 Arten mit aromatischen grünen, behaarten Blättern, ähnlich der Melisse.  In Sumatra und Malaysia wächst es in Höhen zwischen 900 und 1800m, lässt sich aber in niedrigeren Regenwald-Regionen relativ leicht kultivieren.  Die Hautpmenge des heutigen äthrischen Öles stammt aus Indonesien. Es  gehört zu den tropischen Lippenblütlergewächsen mit ährenförmigen Blütenständen in Farbnuancen von weiß bis rosa-violett. Inzwischen gibt es Patchouli-Pflanzen in gut sortierten Pflanzenversand-Gärtnereien  als Topfpflanzen oder zum Einsetzen im Garten, da kultivierte Patchoulipflanzen anscheinend recht unkompliziert auf unterschiedlichen Böden gedeihen und inzwischen weltweit verbreitet sind. Bis zu 3x jährlich wird Patchouli geerntet, wobei das qualitativ hochwertigere Öl in Malaysia zB aus der Ernte während der Regenzeit entsteht, der erste Schnitt nach sechs Monaten erfolgen soll. Bei der Ernte sollen nur die Pflanzenspitzen geschnitten werden mit einem Stielanteil von ca 25cm. Von Hand geerntete Blätter werden gebündelt und erst nach ein paar Tagen Trocknungszeit (Fermentation) im Schatten, destilliert. Der überwiegende Teil der für die Ölgewinnung verwendeten Pflanzen stammt aus kultiviertem Anbau, denn natürlich wachsender Patchouli ist selten. Der Fermentationsprozess während der Trocknung erweicht die Zellwände der Blätter, was bei der Wasserdampfdestillation oder Co2 Extraktion das Herauslösen seiner Duftstoffe erleichtert. Wie bei der Wasserdampfdestillation von Ylang gibt es auch bei Patchouli unterschiedliche Fraktionen bis zu einer maximalen Destillationsdauer von 24 Stunden mit unterschiedlichen Duftcharakteren und Inhaltsstoffspektrum. Patchouliöl gewinnt mit dem Alter an Reife, wie ein besonders guter Wein. Mit den Jahren entwickelt sich eine leicht süßliche Duftnote. Weihrauch, Zeder und Vetiver gehören ebenfalls zu den mit den Jahren immer „besser“ werdenden Ölen, die sich in Duftmischungen mit Patchouli gut ergänzen. Patchouli hat eine hohe Ölergiebigkeit mit etwa 35kg-50kg Pflanzenmaterial für 1 Liter Öl, was das ätherische Öl dieser tropischen Pflanze relativ preiswert macht.

Bis heute gilt Patchouli als eines der bekanntesten Mottenschutz– und Insektenvertreiberdüfte. Es lässt sich prima mit anderen „Insektenvertreiber-Ölen“ wie Citronella, Rosengeranie, Lavendel oder Zeder gut kombinieren. In der malayischen, japanischen und chinesischen Heilkunde hat Patchouliöl eine jahrhundertealte Anwendung. Die Anwendung von Patchouliöl ist seit mindestens 1500 Jahren bekannt. Schon damals war es in diesen Heilkulturen für seine entzündungshemmenden, antispetischen und pilzhemmenden Eigenschaften wohl geschätzt. Bei Hauterkrankungen und Kopfhautproblemen kam es ebenfalls zum Einsatz. Aus diesem Heilwissen ist seine Wirksamkeit bei Schlangenbissen und Insektenstichen überliefert. In Indien ist Patchouli seit Jahrtausenden nicht aus der Heilkunde, Schönheitspflege und täglichen Anwendungen wegzudenken.  Neben Sandelholz ist es „der Duft Indiens.“ Brahmanische Frauen verwendeten das Öl als Farbe für feine, rituelle Bemalungen an den Armen, zum Malen des Bindis in der Stirnmitte in Höhe des dritten Auges (6.Chakra). Die Bemalungen galten als Zeichen ihrer Kastenzugehörigkeit und wurden als Fruchtbarkeitszeichen verstanden. Patchouliduft wurde allen weiblichen Bereichen zugeordnet, von den Räumen im Haus, in denen sie sich vorwiegend aufhielten bis zur weiblichen Schönheitspflege. In religiösen Ritualen der indischen Buddhisten wurde zu Ehren Buddhas Patchouli als Räucherwerk verbrannt.

So wie in Asien nutzte man auch in Indien die pilzhemmenden Eigenschaften in Fußbädern und Salben, um Fußpilzerkrankungen vorzubeugen. Indische Frauen verwendeten Patchouliblätter in zerriebener Form für die Haarpflege als Paste. Es sollte für glänzendes, fülliges Haar sorgen. Für Kinder verwendete man tägliche Patchouliöleinreibungen, um den Haaransatz wunschgemäß zu formen. Die dem Patchouliöl erklärten aphrodisierenden Eigenschaften können einerseits für wieder mehr Vertrauen in die Nähe zu anderen Menschen öffnen, andererseits unterstützt es die Abgrenzung gegenüber Grenzüberschreitungen Anderer. Patchouli gehört zu den besonders milden Ölen, im Geschmack bei innerer Einnahme, als pure Anwendung und in Mischungen. Maria Lis-Balchin beschreibt es als eines der sichersten ätherischen Öle in Bezug auf die Toxizität. Es ist schnell blutstillend und kann bei Schnitten oder kleineren blutenden Verletzungen pur auf die jeweilige Stelle gegeben werden. Bei Zahnschmerzen stellt es eine gute, schleimhautmilde Alternative zu Nelkenöl dar. Sein Gehalt an Sesquiterpenen mit bis zu 50% und milden Sesquiterpenolen (35-45%) moduliert das strapazierte Immunsystem, so wie tendenziell alle ätherischen Öle mit hohem Sesquiterpengehalt. In Malaysia wird es traditionell zur Behandlung von Husten, Bronchitis und Asthma eingesetzt. Patchouliöl ist ein gut geeignetes Antidepressivum, das bei intensiven Tiefs in starker Verdünnung wieder zu mehr Objektivität verhelfen kann (Bäder, Duftlampe, Diffuseur, Dufttuch, Körperöle, Roller).  Mit Vetiver und Bergamotte zusammen, kann es tiefsten inneren Fall und Abrutschen stoppen, die Bergamotte bringt hier die Verbindung ins Lichte und unterstützt ebenfalls mit ihren stark antidepressiven Eigenschaften. Es hilft ähnlich der Zypresse, die Gedanken zusammenzuhalten, jedoch ist Patchouli entfernt von der „Strenge“ der Zypresse. Lis Balchin hält weiter fest, dass es in Aromamassageanwendungen besonders entstressend wirkt. Die stimulierenden Wirkungen auf unsere Gehirnaktivitäten wurde in Studien nachgewiesen, obwohl es von vielen Menschen als entspannend und beruhigend empfunden wird. Nach der integralen Osmologie-Lehre von Martin Henglein  stellt Patchouli den untersten Punkt seines Duftkreises dar. Patchouli schließt und macht „dicht“. Dieses „Dicht-Machen“ ist auf verschiedenen Ebenen zu verstehen. Es ist ein gut verträgliches Öl für Kinder, die zuviel in sich hineinlassen, hyperaktive Zustände haben, zB mit Mandarine rot oder Zitrone, um etwas geordneter zu werden. In Bädern beruhigt es, hüllt ein und umschließt, als regelmäßiges Füßchen- oder Bauchmassageöl (Hara-Zentrum) mit Zeder (oder Himalaya Zeder) und Mandarine rot gibt es Stabilität.

Bereits Paolo Rovesti und Robert B. Tisserand beschreiben Patchouli als Antidepressivum im Einsatz bei phlegmatischen Typen mit häufigen Schleimhautbeschwerden. Nach Tisserand ist es ein stärkendes Nerventonikum und hat Einfluss auf unser endokrines System. Er nimmt an, dass dies die Anregung der Libido unterstützt. Auch stellt er die astringierende Wirkweise bei atonischen Dickdarmbeschwerden, allen „schlaffen“ Zuständen des Körpers und Geistes dar, sofern es nicht aus „anormalen“ schlaffen Zuständen heraus entstanden ist.

Heute wird Patchouli in Mischungen mit Orange süß und anderen Ölen in psychatrischen Abteilungen von Kliniken eingesetzt, die bereits seit vielen Jahren professionelle und gezielte Aromatherapie implementiert haben. Bei Depressionen, Abhängigkeiten wird es erfolgreich sowohl in Gruppenarbeit als auch der Einzelbetreuung eingesetzt (zB nach Regula Rudolf von Rohr, psychatrische Uniklinik Basel „Gute-Laune-Mischung“). In Duschgelmischungen (Flüssigseifen), Fußbädern, Raumbeduftung und Anleitungen für die Eigenanwendungen zu Hause werden dort seit fünfzehn Jahren vielversprechende Erfolge erzielt.

Für Körperanwendungen punktet Patchouli mit entstauender Wirkung auf das Gewebe, venöse und lymphatische System. Es wird auch zur Behandlung von Fettleibigkeit eingesetzt, da es lt Mrs Grieve *1858 †11941), vermutlich auf Grund seines endokrinen Einflusses, zu Appetitlosigkeit führen kann. Daher eignet es sich gut in Abnehmmischungen zB mit Fenchel, Grapefruit extra, schwarzem Pfeffer und Zitrone.

In der Parfumerie gilt Patchouli als eines der besten Fixative. Es wird in exotisch/orientalisch duftenden Parfummischungen eingesetzt (auch in Herrendüften). Unserer persönlichen Phantasie sind alle Tore für Eigenkreationen offen, zB in Rasierwässern, tiefduftenden Parfums, Cremen, Körperpflegeölen.

Für die Aromakosmetik ist es gut eingesetzt bei eher trockener, reifer Haut in Cremen und Lotionen oder in Gesichtswässern, auch für eigene, nicht gesundheitsschädliche Deokreationen eignet es sich bestens. Es hat zellregenerierende Eigenschaften und würde beispielsweise gut mit Basilikum, Karottensamenöl, Weihrauch eine pflegende Mischung ergeben. Für spröde, rissige, raue und trockene Hautstellen, besonders an den Fersen, Ellbogen kann es in einer Salbe mit Kokos-, Avocado,- ‚ Shea- und Erdnussöl, etwas Zitrone, Vetiver und Karottensamen besonders hautregenerierend sein. Bei Neurodermitis kann es vor allem bei Kindern und Jugendlichen in der richtigen Dosierung sehr hilfreich und Beruhigend auf Gemüt und offene Kratzstellen sein. Zusammen mit Manuka, Rosenhydrolat, Bergamotte, Kokos- und Kukuinussöl, entsprechenden sinnvollen Ernährungsschritten mit ungesättigten Fettsäuren gibt es sehr wertvolle Unterstützung. Bei durch Allergien bedingter Neurodermitis sollte unbedingt die Ursache (es ist meist sehr hilfreich, der Ursache auf die Spur zu kommen, sei es allergie-, genetisch, – oder psychosomatisch bedingt) der Allergie herausgefunden werden, um ein sinnvolles Gesamt-Pflegepaket zusammenzustellen.

Es eignet sich gut mit Lavandin, Lavendel und/oder Zeder zur Mottenabwehr in Kleiderschränken oder zur Herstellung von duftenden Sachets, Duftpomandern in Kombination mit anderen getrockneten Blüten und Hölzern, beduftet mit ätherischen Ölen.

Tief duftendes, sinnliches Körperöl, intensiver Duft:

25ml  Jojobawachs, 25 ml Aprikosenkernöl, 3 Tr Patchouli, 1 Tr Vetiver, 2 Tr Sandelholz, 3 Tr Weihrauch, 2 Tr Tulsi, 4 Tr Ylang Ylang complet, 1 Tr Jasminum grandiflorum, 1 Tr Muskatellersalbei, 2 Tr Rosengeranie, 3 Tr Neroli

in die feucht-warme Haut einmassieren, Nichts für tagsüber, mehr für abends…beim Ausgehen, kann recht „euphorisierend“ wirken; eine Mischung für Mutige, wer mag kann etwas mehr Tropfen dazugeben.

Stimmungshebend  für die Duftlampe oder Dufttuch: 1 Tr Patchouli,  2 Tr Bergamotminze, 1 Tr Zitronenpetitgrain oder Neroli

 

 

 

 

 

 

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