Skip to content

von pflanzen- und menschen-„salaten“, duftenden datteln – momente in einer flüchtlingsstation

25. März 2016

In den letzten Wochen stand mein Blog ein wenig still – intensive, ereignisreiche Tage, manches Mal Geschehnisse, die mich  ohne Worte sein ließen, Duftstunden an neuen Biertischen,  sonstige Alltags-Aufgaben, wie wir sie Alle haben. Nun sind hier wieder einige Zeilen – diese und meine nächsten, kleinen Beiträge sind den Flüchtlingsmenschen der Übergangsstation gewidmet, die mich in den letzten sieben Monaten an Ihrem Leben teilhaben ließen, deren Namen und Gesichter, Geschichten und gewählten Düfte in meinen Inneren bleiben – weiter allen anderen Menschen, die direkt dort auf besondere Weise das alltägliche Geschehn intensiv bis jetzt mitgetragen haben.

An einem Freitag vor zwei Wochen traf ich etwas später ein als sonst. Wir entscheiden uns – nach einigen Ideensammlungen für kleine, erfrischende Nahrungsmittel unter einigen von uns Ehrenamtlichen in den Wochen davor,  für  einen „grünen-Salat-Nachmittag“– es war genau der richtige Tag dafür, denn später, in den Wochen danach wäre es nicht mehr möglich gewesen….

Nach ein paar etwas aufhaltenden Begebenheiten an diesem Nachmittag, gingen wir dennoch los, drei junge Flüchtlingsmänner,  mit denen wir/ich dort in den letzten Wochen wunderschöne, inhaltvolle, mehrsprachige Duftstunden haben durfte; einen ihrer Freunde trafen wir unterwegs im Stadtzentrum und so waren wir zu Fünft. Fröhliches, scherzendes vier-Sprachen-Geplauder auf dem Weg und in den Läden über Cucumber (Gurken), Salate, Paprika’s, welche Gemüse und Kräuter in ihren Herkunftsländern besonders beliebt oder bekannt sind, , wieviel von welchen der Zutaten in welchem Laden wir benötigen,  ein kurzer Besuch im „Organic-Shop“ nebenan, um eine große Dose Erdmandeln zu holen, die ich für den nächsten Tag für die Zubereitung einer Rohkost-kaltgemixt-Dattelcreme besorgen möchte. Wir stehen vor den Nüsse-und Samen-Regal, der junge Mann, der nicht nur in koreanischer Handmassage, Akupunktur sondern auch in verschiedenen Körperarbeits-Methoden und Massage-Arten der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) sowie ganzheitlichem Gesundheitswissen an einer iranischen Universität bestens ausgebildet wurde, erkennt sofort die Leinsamen. Wir plaudern in Englisch über die für die Gesundheit so wertvollen verschiedenen Saaten und Nüsse, entdecken Gemeinsamkeiten in Anwendungen als auch interessante Unterschiede; die Anderen sehen sich ruhig um im Laden, sprechen über die Produkte, die sie dort sehen.

Ein Luxus ist mir an diesem Nachmittag beschert, denn ich brauche den Einkauf nicht selbst zu tragen. Da es schon fortgeschrittener Nachmittag ist, beschließen wir,  den Salat als Vorspeise vor dem von der Nachbarorganisation im Eingang gegenüber ausgegeben Abendessen gegen 19:oo Uhr,  zu sehen. Im schwarz-getäfelten Personal-Aufenthaltsraum, mit großem Lichtfenster oben und der schweren Metalltür mit großen, runden Glas-Bullaugen darin, können wir  dann gemeinsam die etwa vierzehn unterschiedlichen Salatköpfe und sonstigen Gemüse, Zitronen, Zwiebeln und Sonnenblumenkerne in verschiedentlich geformten Kunststoff-Wännlein vorbereiten und anrichten. Sechs, sieben Leute helfen  mit –  es ist ein fröhliches „Salat-Herrichte-Durch-und Miteinander“ auf den schmalen Biertischen und Bänken, auf denen wir dennoch genügend Platz arrangieren für alle Zutaten, Schneiden, Ausbreiten und Zubereiten. Ein junger Mann bringt Wasser in blauen Kanistern, damit wir die Salate etwas reinigen können – es werden tradtitioinelle Lieder und moderne Songs gesungen, Scherze, Lachen, in vier oder fünf Sprachen zugleich, Übersetzung nicht so wichtig in diesen Momenten – noch nie sah ich junge Männer in solch einer Perfektion und Gleichmäßigkeit Gemüse schneiden, Gurken in kleinste, Würfelchen frei Hand direkt in die großen Salatbehälter, die roten Zwiebeln in dünnste Streifen, die Zitronen in perfekte Viertel – ich vergesse für einige Zeit ein paar Dinge, die mir alle Menschen in der Station betreffend, Helfer und Mitarbeiter eingeschlossen,  etwas Sorge bereiten,  freue mich sosehr über die Freude der „Salat-Köche“.

Am Ende ist die bunte, großzügige Gemüsevielfalt in vier oder fünf mittelgroßen Kunstsstoff-Wännchen, die Zitronen, Sonnenblumenkerne und extra Zwiebelringe in den üblichen, für die Essensausgabe verwendeten, weißen Einmal-Plastik-Schüsseln angerichtet. Wir tragen sie, wie in einem „Märchenfilm“ ähnlich, in einer Reihe hinaus in den Aufenthaltsraum zum vorbereiteten (inzwischen neuen) schmalen Tisch – auch Olivenöl fehlt nicht – selbst wenn nicht von der exquisitesten Qualität, wegen begrenzten Budgets. Der freudige „Ansturm“ auf das kleine Salatbuffet spricht für sich; „nichts“ mit ordentlich in einer Reihe stehen, doch das macht nichts (mir nicht..) – denn mir ist es eine Freude zu sehen, wie sehr die Menschen den kleinen Frischegruß genießen, benötigen, wünschen – welcher Ihnen seit Verlassen ihrer Heimatländer wohl viel zu selten möglich war, zu erhalten. Die Freude überwiegt auch bei  den Salat-Verzehrenden Menschen – später bedankt sich nahezu jeder Einzelne bei mir mit iranischem Handgruß auf das Herz und freudigen Blicken, was mir etwas unangenehm ist, das war nicht mein Ziel oder Erwartung, denn im Grunde taten meine ehrenamtlichen MithelferkollegInnen und ich Nichts, außer zu versuchen, im kohlehydrat-lastigen Versorgungseinerlei den strapazierten, Mineralstoff- und an lebendigen-Nährstoffen-ausgelaugten Menschen etwas Abwechslung zu bringen -…diese Momente der „Augen“-Blicke – bleiben in meinem Herz.

Für die zitronensaft- und essigfreie Salatmarinade fülle ich vor dem End-Anrichten das Olivenöl in vier bis fünf Einmal-Papier-Kaffeebecher und reichere sie á la Aromaküche mit ätherischen Ölen zur Würze an, die mir gerade spontan in der Eile einfallen und bei der Hand sind: Bio-Zitronenöl, etwas Thymian Ct. thymol, etwas Limette, Bergamotte, etwas Lorbeeröl, die Dosierung ist „daumen mal p“, auf eine etwa-Menge Öl von einem halben Liter, der mir für die große Menge Salat fast zuwenig erscheint, dennoch einen feinen Geschmack kreiiert.

Einige der Gäste fragen mich schüchtern kurz vor der Abendessenszeit, ob sie sich die Restsalat-Wanne gemeinsam „mitrübernehmen“ könnten, der Agrikulturprofessor beispielsweise möchte gern seine Schüssel mitrübernehmen können und verzichtet auf das Essen im Aufenthaltsraum,  in wunderbar-höflichem Englisch höre ich:“ ..it will be a pleasure for me to complete my dinner with this salad…“ und bedankt sich bei mir- ich sage denjenigen, die danach fragen etwas verunsichert, dass es besser sein wird, unsere Einsatzleiter zu fragen, da ich nicht weiß, ob dies erlaubt ist, dann bekomme ich im Abendessen-Aufbruch-Tumult unserer Gäste nicht mehr genau mit, wieviele, mit Restsalat befüllte Schälchen in den Händen mithinüberwandern……

..später entsteht eine große Portion „Menschen-Salat“, die mir viele Gedanken bereitete, ein Teil davon „gegessen“ wurde, mir aber soviele, wunderschöne Pflanzenthemen als wissenwert und interessant erscheinen, dass mir gar keine Zeit für nicht-vegane Salate bleibt -wie zum Beispiel, wieviele unterschiedliche Nadelgewächse es allein in Afghanistan gibt oder wie der übersetzte Name der  wunderschönen Blüten „Fula“ (?) ist.

mit süß-duftender Dattelcreme geht es bald weiter….

 

So manches Mal möchte ich mich von den Menschen, die ich einige Wochen oder gar Monate mit wohltuenden Düften begleiten durfte verabschieden können – was im Außen nicht immer geht. Die Nachricht  zu einer neuen, langfristigen Unterkunft kommt manches Mal recht rasch  – „…I will be transferred“…oder nur „transfer“…und „white card“… sind für mich inzwischen sehr sensible Begriffe geworden…

 

Advertisements
2 Kommentare leave one →
  1. 26. März 2016 13:32

    Wieder ein lebendiger, herzergreifender Bericht von dir,liebe Marta!!!
    Genauso stelle ich mir unseren Einsatz vor: „HILFE ZUM SELBSTTUN !“

    Das MITeinander ist es, nicht das oft für die Geflüchteten beschämende „Almosen“ geben.!!!
    Das Einbringen und Teilen ihres und unseren „Wissens“.

    Danke für das „Vorleben“, liebe Marta!

    Gefällt mir

  2. 25. März 2016 14:39

    Meine liebe Marta, ich hoffe, dass ganz viele Menschen diesen Beitrag lesen und erkennen, wie wichtiog deien Arbeit ist, und wie iwchtig eben auch Salat ist. Für uns hört sich das blöd an, Salat na und? Ja und für die vielen dankbaren Flüchtlinge eine willkommene und gesunde Abwechslung . Mögen manche der Helfer denken oh mien Gott, jetzt müssen wir jeden Tag Salat putzen…. doch man könnte doch die Flüchtlinge mit einbeziehen. So wären sie beschäftigt und man könnte viel voneinader lernen. Ich wünsche euch weiterhin ganz viel Kraft und möge es sich überall rumsprechen, was du machst. Und mögen noch ganz viele Organisationen mit ziehen und solch eine tolle Arbeit machen. Denn gemeinsam sind wir stark ❤ .
    Und jeder hat etwas davon…..
    Ich wünsche Dir erholsame Feiertage und mach weiter dein DING.

    Drück dich Petra

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: