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inspirierender zierkirschen-zauber – danke an alle „rosa blühender baum“-besucherinnen und besucher

7. Juni 2016

Hin und wieder führen unsere Alltagswege in meiner Wohngegend vorbei an prunkvoll  in pures rosa, sanftes hellrosa bis-rosé-weiß oder gelblich getauchten, blühenden Zierkirschen-Gehölzen,  die fast unwiderstehlich dazu einladen inmitten Allem für eine Weile den inspirierenden Zauber ihrer fülligen Blütengeschenke zu genießen. Ihre Ursprungshabitate und ästhetische Kunst der Vermehrung und Pflege gehen nach China, Korea, Japan, Tibet zurück. Im 19. Jahrhundert wurden erste Zierkirschen-Arten und gezüchtete Sorten („cultivar“, cv.“) nach Europa gebracht. Seither gedeihen sie auf unserem Kontinent sowie in Skandinavien, Nordamerika  und wo immer sie eine respektvolle, fürsorgliche Pflege und Ehrung erfahren. Diese zauberhaften Gewächse verschönern  in jedem Frühjahr  und Spätherbst/Winter mit ihren Blütenmeeren unterschiedlichste Gärten und Parks, Alleen, ganze Stadtteile, Weg-  Häuser- Freizeit- und Erholungsanlagen, manchmal auch allein frei stehend auf lichten Grünflächen wachsend, erfreuen Auge und Sinne eines jeden Betrachters.

Lassen die Strauch- und Baumgewächse der Prunus -Arten ihre Blüten leise abfallen, breitet sich unter ihnen ein sanfter, dicht-samtiger, anmutiger Blütenteppich aus, der mich an edle Gemächer und Gärten für besondere Atmosphären aus Historien anderer Kulturen erinnert.

Eine besonders schöne, harmonisch-kreisförmige-weite Blütenbedeckung bilden die zart zu Boden gesunkenen Blätter der weit verbreiteten Prunus serrulata ‚Kanzan‘ (engl.: „kwanzan“). Zuvor bestücken sie dicht das stabile, weit ausladende Geäst mit ihren trugdoldig ausgebildeten, plüschig aussehenden gefüllten Blüten. Reifere Exemplare bilden mit fortschreitenden Jahren ihren starken Stamm und  das Astwerk mehr zur Baumform hin aus, wachsen eher „trichterförmig“.

Prunus serrulata Lindl. 'Kanzan' - "bordering mountain"

Prunus serrulata Lindl. ‚Kanzan‘ – „bordering mountain“

Im Herbst entlässt ‚Kanzan‘ ihre harmonisch eiförmig (elliptisch/oval) ausgebildeten, am Blattrand gesägten Blätter nach wundervollem rötlich-gelb-orangig leuchtenden Farbspiel. Es lädt richtig dazu ein, Herbst-Sonennduft für etwas „Indian-Summer-Feeling“ mit  zur Stimmungsaufhellung prädestinierten, farblich sogar passenden Ölen zu unterstreichen, um etwas davon mit hinüber in die lichtärmere Jahreszeit zu nehmen:

ein bisschen süße Orange, etwas Bergamotte, etwas Zitrone, vielleicht ein „Häuchlein“ Immortelle mit einer leichten blütigen, holzigen, sanft-minzigen oder krautig duftenden Note – je nach persönlichen Duftvorlieben – beispielsweise in einfachen Anwendungen, wie Duftlampe, Raumspray, Dufttüchlein oder Roller /Inhalierstick für unterwegs, ein ganz schnell selbst gemachter „rundum-Body-Spray“-Refresher mit ein paar der angemerkten Öle auf Basis von Neroli-, Myrte -und/oder Rosenhydrolat; wer es etwas „tiefgründiger“ mag und verträgt, könnte auch hier einen Hauch Immortelle-Hydrolat oder das der unter anderem  Mitte zaubernden Rosengeranie verwenden. Immortelle ist neben ihren körperlichen Wirkweisen in Sachen Anti-Blaue-Flecken-öl und -Pflanzenwasser dennoch für das Emotionale ein tiefgehender, kraftvoller Duft, nicht jederzeit und für Jeden immer passend. Soweit erhältlich harmonieren dazu auch die fröhlichen, hell-leicht zitronig duftenden Hydrolate von Bergamotte oder Litsea cubeba.(die Keramikduftlampe auf dem Foto links ist meine persönliche Duftlampem vor vielen Jahren aus dem Farfalla-Sortiment erworben)

Gleich am Ende der lichten Freiweise im Linzer Botanischen Garten Richtung Veranstaltungs-Pavillon und Teich,  die von kleinen Holz-Bienenhäusern, einige Meter weiter von der alten Goldkiefer umrahmt wird, steht eine ehrwürdige, weitest ausladende, niedrig gewachsene, dick-stämmige, weiß-blühende Zierkirsche – eine Prunus sieboldii (CarriŠre) Wittm. Es ist kaum möglich an ihr unbeachtend vorbeizugehen, denn zur Hauptblütezeit ist ihre Erscheinung unwiderstehlich zauberhaft, spendet erhitzten Gemütern sanfte, schattige Kühle und Besänftigung unter ihrem konträr zu den dicken Ästen zierlichen, inspirierenden Blütenmeer. Ihre Baumkrone ist im Verhältnis zum untersetzten Wuchs besonders weit ausladend. „Schon immer“ steht sie wohl dort, denn meine Kinder bekletterten ihn für Stunden, machten es sich auf den dicken Ästen „bequem“, seitdem sie laufen und sich an Bäumen halten konnten. Sie ähnelt (für „Laienaugen“) etwas der Prunus x yedoensis Matsum, eine „Yoshino“ (oder „Tokio“)-Zierkirsche; die aus den Elternteilen einer Prunus speciosa (Koidz) Ingram und Prunus subhirtella Miq. entstand. Sehr bald im Frühjahr entwickeln sich ihre zunächst zart-rosé, später zu weiß verändernden Blüten. Diese Züchtung wird auch als ‚Somei-Yoshino‘ geführt.

Blüten von links nach rechts: Yoshino, West Potomac Park Washington D.C.; Prunus serrulata Lindl.,Forstbotanischer Garten Eberswalde; 'Kanzan'-Blüten New Jersey (alle wikipedia cc)

Blüten von links nach rechts: Yoshino, West Potomac Park Washington D.C.; Prunus serrulata Lindl.,Forstbotanischer Garten Eberswalde; ‚Kanzan‘-Blüten New Jersey (alle wikipedia cc)

Beinamen der durch Kreuzungen kreierten Sorten und ursprünglichen Arten (z.B. Prunus serrulata Lindl.) sowie ihre wundervoll poetischen Benennungen aus den Sprachkulturen ihrer Heimat-Regionen erleichtern die Unterscheidung ihrer Vielfalt: beispielsweise Prunus serrulata ‚Ama-no-gawa‘ („heaven’s river“, „Fluß des Himmels“; Säulenzierkirsche), Prunus serrulata ‚Kanzan‘ („bordering mountain“), Prunus subhirtella Miq., „Autumnalis rosea‘ oder „die rosa Winterkirsche“, ihre „Schwester“, die zarte „weiße Winterkirsche“ od.: „white winter cherry“ – ‚Jugatsu-zakura‘ (od. -sakura) – „Oktober-Kirsche“. Die Winter- /Herbstkirschen zeigen ihre Blüten bereits in eben dieser kühleren Jahreszeit, manchmal bis zum Frühjahr, wenn andere Zierkirschen ihre Hauptblütezeit entfalten.

Die Arten der anmutigen“Bergkirsche“, Prunus sargentii Rehder, deren in die Höhe wachsendes Geäst mit fortschreitendem Alter  zum Überhängen neigt, der schlank nach  oben wachsenden Säulenzierkirsche, die bei wenig Umgebungsraum einen hübschen Blickfang bietet, der edlen Mahagoni-Kirsche oder „Tibet-Kirsche“, Prunus serrula Franch., („brand burch cherry“), deren unverkennbarer kunstvoll ausgebildeter, glatt-glänzender kupfer-mahagoni farbener Stamm, zu sich abrollender Borke neigt (wie bei einigen anderen Zierkirschen), in Sonnenlicht-Einfall einen wundervollen Anblick bietet, sind ebenfalls hier und da in unserer Region zu sehen. An den Spazierwegen der Linzer Donaulände beispielsweise sind einige Wenige dieses eleganten, edlen, schönen Bäumchens gepflanzt. Der Wuchs ist niedriger als bei ‚Kanzan‘, das stark-stabile Geäst und  zarten weißen Blüten weniger ausladend, das grüne Blattwerk schmäler, länglicher. Ihre mahagoni-farbene Wärme ist im Winter ein Blickfang in Gärten, denn sie verändert ihren Farbton das ganze Jahr nicht -mit Ausnahme ihrer Nuancierungen durch das sich-selbst-Ablösen ihrer Rinde. Die Herkunft der „Tibet“-Kirsche wird in der chinesischen Provinz „Sichuan“ vermutet. In dieser Region,  dem gesamten asiatischen Raum und im Himalaya sind die den  Zitrusgewächsen/Rutaceae zugehörigen Strauchgewächse des Zanthoxylum bungeanum Maxim od. Zanthoxylum piperitum DC. sowie weitere Arten beheimatet, beheimatet; Ihr Gehölz neigt zu gelblicher Tönung. Aus den getrockneten, eingeschrumpften Schalen (Samenkapseln) ihrer kleinen Früchte, wird das exquisite Gewürz des „Szechuan-Pfeffers“ hergestellt. In Europa bekannte, bunte Pfefferkörner werden unter Piper nigrum L. zusammengefasst,  die einer anderen Pflanzenfamilie, nämlich den Piperaceae/Pfeffergewächsen zugeordnet sind. Ihre Färbung ergibt sich durch unterschiedliche Ernte/-Reifezeitpunkte und anschließender Bearbeitungsprozesse.

Eine der Mahagoni-Kirsche ganz ähnlich aussehende Art  ist die Prunus maackii Rupr., „Amur-/Traubenkirsche od. Manchurian-Kirsche. Auch ihr Stamm spendet warme Farben, mehr zur rotbraun-gold-zimtigen als zur tiefdunkel-mahagoni Nuance tendierend, mit weniger ausgeprägt glänzend-glatter Rinde. Ältere Bäume neigen zur Ausbildung einer etwas „rauher“, holziger Wirkenderen, die sich mehr wie eine Rundum-Schicht um den eigentlichen-schön gefärbten Stamm legen kann, sich dabei „nur“ ablöst. Ihre eher länglichen, fedrigen, weiß-gelblichen Blüten erinnern an die eines Niaoulibaumes. Die Bezeichnung Manchurian verbindet an ihren Ursprung in  nordöstlichen Regionen Chinas, sowie den grenzübergreifenden Zwischengebieten zu/in Russland. Das Volk der Manchurian zählt/zählte den ethnischen Minderheiten dieser Regionen.

meiner Vermutung nach könnte diese eine Prunus maackii Rupr. / Amur- od. Traubenkirsche sein - (oder eine Mahagoni-Kirschen, Prunus serrula Franch. erscheinen mir mit einem schmäleren, Stamm, glänzend-glatterer Rinde; auf beiden Bildern ist derselbe Baum zu sehen; links Stamm, rechts abzweigender Ast; zum Moment der Aufnahmen waren die Bäume ohne Bezeichnung

meiner Vermutung nach könnte diese eine Prunus maackii Rupr. / Amur- od. Traubenkirsche sein – (oder eine Mahagoni-Kirschen, Prunus serrula Franch. erscheinen mir mit einem schmäleren, Stamm, glänzend-glatterer Rinde; auf beiden Bildern ist derselbe Baum zu sehen; links Stamm, rechts abzweigender Ast; zum Moment der Aufnahmen waren die Bäume ohne Bezeichnung

Bezeichnungszusätze können manchmal für etwas „Durcheinander“ sorgen, welches der richtige Name einer bestimmten Sorte/Art sein kann. So wird z.B. die „japanische Blütenkirsche“ häufig auch als „ostasiatische oder orientalische Kirsche“ geführt  – Prunus serrulata Lindl..  In der Pflanzen- und Zierkirschen-Freunde-Welt kann es daher, genau wie in der Aromatherapie zur lebenden Duftpflanzenkenntnis hilfreich sein, sich an möglichst genauen botanischen Namensgebungen zu orientieren, da diese international gleichermaßen verständlich sind. Die hier im Beitrag Beschriebenen sind nur einige wenige Bekanntere aus der großen Vielfalt, nach meinen Möglichkeiten erkundet. Als einfache Lain zu allen Themen, über die ich in meinem Blog schreibe, freue ich mich immer über ergänzende, wissenserweiternde Hinweise.

Etwa  430 Prunus-Spezies sind der Pflanzenfamilie der Rosengewächse/Rosaceae zugeordnet. Darunter finden sich bekannte Steinfruchtarten ein, wie die der Zwetschgen, Pfirsiche, Aprikosen, Mandeln, Prunus dulcis (Mill.) D.A.Webb, Sauerkirschen/Weichseln („sour cherry“), Prunus cerasus L. – deren fein geraspelte Rinde beispielsweise in der Volksheilkunde mancher außereuropäischer Länder eine  der Zutaten in aufgekochter (für etwa 20min) und abgeseihter Teezubereitung der Nierenberuhigung und -Stärkung dient.

Zierkirschen wachsen zwischen 5 bis 25m  hoch, – je nach Art/Sorte können sie würdevolle Alter bis zu 2000 Jahren oder mehr erreichen.  In Japan werden bis heute einige solcher stattlichen Bäume bewahrt und gepflegt – ihr weites, hohes, schweres Geäst wird mit zahlreichen Holzpfählen und Bändern gestützt; viele Besucher beehren und bestaunen jedes Jahr diese ehrwürdigen Gewächse.

Ihre Stamm-, Blüten-, Blätter-, und Geästausbildungen sind unterschiedlich, sie lieben viel Sonne, zweimal im Jahr entfalten sie nach Art/Sorte ihre Blütenpracht: im späten Herbst und im Frühjahr von Mitte/Ende März bis Mitte Ende /Mai, manchmal auch bis Anfang Juni, je nach Region und Klimabedingungen. Bei einzelnen, ungefüllten Blüten ist die den Rosengewächsen besondere fünfblättrige Kronblätter-Anordnung erkennbar.

Oliver Mayer, wikipedia cc, Gojo-Fluß Iawa, Japan, bearbt juni 2016

 „Sakura“, die Kirschblüte, engst verwoben und verankert mit Japan’s Traditionen und Kultur; Symbol reiner Tugenden, Schönheit und edler Legenden. Heute ist das einstmals besondere Hanami-Fest zu Ehren der Kirschblüten-Zeit und Beginn des Frühlings, nach dem ursprünglichen, traditionellen japanischen Zeitrythmus auch Beginn eines neuen Jahres, international bekannt,  in anderen Teilen der Welt auch außerhalb Japans gefeiert. Der weibliche Sprachgebrauch im Japanischen verwendet „o-hanami“, das männliche Pendant ist „hanami“. In modernen Zeiten  weitete es sich zu einem phantasievollen  „Rosa-Kult“ – von  innen und außen mit Soft- und Muntermachdrinks, Briefpapier, bekannten Süßwaren, pink gefärbten Sushi und Reis-Zubereitungen in kunstvoll arrangierten Hanami Bento Picknick- /Lunch-Sets, traditionellem Sake, Selbstgekochtem/Mitgebrachtem sowie vielem anderem Kulinarischem und Fröhlichem für Leib und Seele.  Seit etwa 1200 Jahren wird dieses Zusammenkomm-Fest für Familie, Freunde und Besucher in Kirschblütenparks zelebriert. Die zuvor sensitiv bedachten, an die Klimabedingungen des Landes und individuelle Blütezeit abgestimmten Pflanzungen überziehen dann fließend für einige Wochen das ganze Land in rosa-weiß-violett Farbschattierungen („cherry-front“ / „sakura-zensen“) zum Himmel und zum Boden hin; beginnend im südwarmem Okinawa zum kühl-nördlichen Hokkaido bedecken samtene, farbige Blütenteppiche nach leisem Abfallen ihrer Blüten ganze Alleen, Wege, Parks, Grünflächen, Gärten, Stadtstraßen.

Im ganzen Land wird via Medien über den zu erwartenden Moment der ersten Blütenöffnungen und  weiteren Weg der „cherry-front“ berichtet. Japanische Schulen integrierten in ihr offizielles Unterrichtsmaterial für  Geschichte, Biologie und Geografie dieses botanische Ereignis und damit verbundene Traditionen.

In Japan’s kulinarischer Kultur werden Zierkirschen-Blätter und -Blüten zu salzigen-süßen Köstlichkeiten, „wagashi“ und als in ganz Asien verbreitete mochi“-Varianten, die zu besonderen Feiertagen/Festen, zur  Gesundheitsförderung, das ganze Jahr über, in heiligen Bedeutungen für den Lebenskreislauf, Schmuck für Altare im  Haus, öfffentlicheren Stellen oder Restaurants zum Beispiel kreiiert. Die ursprünglich sehr kraft-und zeitaufwendige Kunst der Herstellung einer mochi-Grundmasse aus der besonders stärkehaltigen  „Klebreis“-Sorte „Mochigome“,  (Oryza sativa subsp. japonica S.Kato/Oryza sativa L. / Oryza sativa japonica glutinosa?), wird heute vielfach maschinell für den Endhandel gefertigt. Diese traditionellen, glutenfreien Reiskuchen/Bällchen mit unterschiedlichsten Füllungen von Azukibohnenpaste über Nori-Algen zu süßen Desserts oder pikanten Köstlichkeiten, können z.B. als Rohkost, Fingerfood, warm oder kühl genossen werden.  Ihre Grundzubereitungen in Japan und anderen asiatischen Ländern differieren  in  Geschmack , Zutaten (manchmal unter Beigabe von Weizenstärke für längeres Weichbleiben des Reis-„Teiges“) Konsistenz und Verträglichkeit.

Zierkirschenblätter und Blüten gibt es salzig-süß eingelegt, mit ihren Blättern „gewrappte“ mochi-Versionen, Kirsch-Blütenzucker  und -Salze,  kandierte „geeiste“ Blüten, fertig erhältlich oder selbst zubereitet, ästhetische pralinenähnliche süße Köstlichhkeiten oder als feines, leicht salzig-süßes Blüten-Aroma in Teemischungen. Ihre Zubereitungen sind eine wunderbare Kunst, die Auge, Sinne und den Geist erfreuen.

Hanami  – das Fest des „Blüten Betrachtens“ – wird nicht nur in Japan geehrt: beispielsweise auch in London, Helsinki, Vancouver und Washington D.C. / West (-East) Potomac Park– beschenkt 1912 von Tokio mit über 3000 Zierkirschen. Heute schmückt ein gepflegter Bestand von etwa 3800 verschiedenen Zierkirschen das Areal dieses Erholungs- und Frezeitparks rund um den historischen Stausee Tidal Basin. Den Hauptanteil bilden  „Yoshino“-Kirschbäume, einige  der damals dort heimisch gewordenen Gewächse sind bis heute erhalten, andere mussten erneuert werden. Weltweit gibt es hier derzeit den dichtesten Bestand der ‚Yonisho‘-Sorte. Die weltweiten deutlichen Klimaveränderungen zeigen sich auch hier verfrühter Blühzeit und Unstimmigkeiten zwischen Flora und Fauna.

eine kleine „cherry-tree-story“ – amerika im kirschblüten-fieber „anno dazumal“:

Die ersten Pflanzungen der Anlage 1912 führen zur Bahrrlichkeit und Initiative zweier bedeutender amerikanischer  Pflanzen- und Weltentdecker zurück: Die Geografin, Autorin, Weltreisende, Kunst- , Kultur- und Flora-Interessierte Eliza Ruhamah Scidmore (*1856  †1928) konnte bereits als Jugendliche mit ihrer Mutter und ihrem Bruder viel reisen, unter anderem in Europa und Alaska. Ihr Leben war ihrem forschenden Geist und ihrem Interesse an Pflanzen- und Gartenwelten anderer Kulturen sowie der Kultur selbst gewidmet. Als junge Journalistin führender Tagesblätter reiste sie damals in deren Auftrag, später in ihrer Funktion als erstes weibliches Vorstandsmitglied der seit 1888 bestehenden National Geographic Society als lehrende Expertin in Japan und Asien, weltweit. Ihre Wege führten sie nach Java, Indien, Russland und Alaska. Sie genoß eine liberale, weltoffene höhere Schulbildung, wurde später Autorin von sieben Büchern, in welchen sie ihr erfahrenes Pflanzen-und Kulturwissen mit beigefügten Fotografien beschrieb. Ihre Verzauberung über die Zierkirschenbäume und deren Kultur wünschte sie nach einem Japan-Besuch ihres dort lebenden Bruders den Menschen ihrer Heimat Washington näher bringen zu können und Zierkirschenbäume dort zur Umgebungsverschönerung pflanzen zu lassen. Die Umsetzung ihres Wunsches Mitte der 1880-er Jahre sollte noch 24 Jahre Geduld erfahren, erhielt von regionalen Entscheidungsträgern  immer wieder Ablehnung. Von Kind an genoß Eliza gute Kontakte zu gehobenen Gesellschaftskreisen, kontaktierte 1909 in zwei Briefen einerseits die damalige, der japanischen Kultur zugetanen First Lady Helen Herron Taft sowie den befreundeten Botaniker Dr. David Fairchild (*1869 †1954), in welchen sie um deren Kooperation für den Import von cherry-trees bat. Helen Taft unterstützte ihre Idee sofort, Eliza Scidmore suchte die nötige Summe zum Kauf von bereits 1906 von Dr. Fairchild 75 importierten Zierkirschen verschiedener Arten und Sorten aufzubringen, um sie anschließend der Stadt Washington zu spenden. Die Gewächse wurden von Dr. Fairchild zunächst auf persönlichem Grund gepflanzt zur Erkundung iher Wachstums-Bedürfnisse und Widerstandsfähigkeit. Bereits im September des nächsten Jahres orderte er aus überzeugter Begeisterung ihrer Eignung im dortigen Klima bestehen zu können, etwa 300 Bäume. Zur selben Zeit im April 1909 befanden sich der damalige japanische Konsul aus New York, Midzuno, in Begleitung des Wissenschaflters Dr. Jokichi Takamine offerierten nach Kenntnis dieser Idee, der First Lady und Eliza die Schenkung von etwa 2000 Zierkirschenbäumen zu den bereits Erworbenen. Helen Taft, Eliza und Dr. Fairchild nahmen dieses Angebot voller Freude an – im Dezember desselben Jahres erreichte diese Anzahl Gewächse Washington. Befallen mit damals noch kaum behandelbaren Pflanzenkrankheiten wurden alle Bäume wegen der Einschleppungsgefahr unter Zustimmung des Präsidenten im Januar 2010 dem Feuer übergeben. In Bedauern des schenkenden Landes Japan, wurden nach einem zweiten Offert und vorangegangener Ungenauigkeiten der Arten-Bezeichnungen 3020 Zierkirschengewächse verschiedener, genau ausgewiesener Arten und Sorten erneut nach Washington gebracht. Die ersten Pflanzungen wurden von First Lady Helen Taft gemeinsam mit der Gattin des damals japanischen Botschafters, Chinda, 1912 selbst gesetzt. Danach sollte es noch bis 1920 der Kraft vieler Arbeiter-Menschen bedürfen, um im gesamten Tidal-Basin-Areal den über dreitausend Bäumen einen Platz zu geben. Im Hintergrund der Washingtoner Zierkirschen-Historie spiegelten sich auch die intensiv bewegten Zeiten.

Dr. David Grandison Fairchild war einer wichtigsten leidenschaftlichen Pflanzensammler  -Forscher und -Entdecker zur Bereicherung und Entwicklung der amerikanischen Landwirtschaft und Flora. Mit dem ebenfalls bedeutenden Pflanzenforscher Walter T. Swingle – dessen botanisches Autorenkürzel wir auch hinter vielen  Duftpflanzennamen kennen, vor allem denen einiger Zitrusgewächse wie z.B. Citrus aurantiifolia /Christm.) Swingle – verband ihn langjährige, enge botanische Zusammenarbeit. In den Jahren 1897/98 gründeten sie gemeinsam das dem damaligen Ministerium für Agrikultur (USDA) angegliederte Ressort „Office of Foreign Seed and Plant Introduction“  dem ein fortschrittliches Labor in Miami zur Verfügung gestellt wurde. Fairchild bereiste die Welt mit seinem Interesse für tropische/subtropische Pflanzenkultur, Pflanzenpathologie, Nahrungs-und ästhetischen Gewächsen, führte etwa  80.000 neue Pflanzenarten und Sorten nach Amerika ein, darunter viele tropische Früchte, Soja, Avocados, Weizensorten, Bambus, Nektarinen sowie die Zierkirschen. In späteren Jahren zog es ihn und seine Frau mehr in die Südstaaten, nach Florida, wo er 1929 seine Idee, die Everglades als  Naturschutzgebiet zu erhalten umsetzte (Tropical Everglades Park Association.) Weiter entstand der bis heute erhaltene „Fairchild Tropical Botanic Garden“ (Link siehe bitte unten). Dr. Fairchild verfasste mehrere botanische Schriften, eine Autbiografie und lebte seit den 1920-er Jahren bis zu seinem Lebensende auf dem gemeinsamen Familiensitz  Coconut Grove, Florida.

Eliza Scidmore verbrachte ihre letzten Lebensjahre in Genf.

Zu allen diesen wundervollen, dem Leben, Abenteuern, Anstrengungen und den Pflanzenwelten sich widmenden Menschen gibt es noch sehr viel Wissenswertes zu beschreiben. Sie und viele Andere hinterließen so vieles, zunächst Gutes für die nächsten Generationen.

Als Zeichen des Respekts und Anteilnahme beschenkte Japan die Stadt Berlin zur Zeit der Wiedervereinigung mit Spenden, welche die Pflanzung von insgesamt 9000 Zierkirschenbäumen in Berlin und Brandenburg ermöglichten. Heute zieren sie beispielsweise Gedenkstätten, den Mauerweg, Parks, Anlagen, Gärten und Höfe von Kindergärten und Schulen.  Bereits seit fünfzehn Jahren wird auch  hier  das Hanami-Fest an verschiedenen Orten der Stadt gestaltet, beispielsweise in Berlin-Lichterfelde-Teltow. Im hohen Norden Deutschlands, Hamburg, zelebriert man Hanami seit 1968 – auch hier wurde die Stadt von der japanischen Gemeinschaft mit 5000 Kirschbäumen beschenkt.  Seit 2015 darf in Hamburg die ehrenvolle, selten weitergegebene,  Tradition der Wahl einer Kirschblütenkönigin arrangiert werden. In Wien wurden in den Jahren zwischen 1996 bis 2002 eintausend der wunderbaren Bäume gepflanzt, als Geschenk zum tausendjährigen Geburtstag Österreichs, ebenfalls durch japanische Partnerstädte gestiftet. Seit 2002 werden sie  jedes Jahr mit einem Fest auf der Donauinsel geehrt. Bonn darf sich zu den Städten mit einer der schönsten Kirschbaum-Alleen zählen, via Internet-Medien gewählt und zeigt ihren Stolz über die Kirschblüte in der Bonner Altstadt zu Recht jedes Jahr. Hier gibt es schöne Bilder zu weltweit schönsten, prämierten Baumalleen. Außer in den hier genannten Städten wird weltweit in vielen weiteren Städten die Tradition des Hanami zu Ehren der Kirschbüten fortgeführt.

Ein ätherisches Öl aus Zierkirschenblüten ist meines Wissens nicht (oder noch nicht) erhältlich, auch kaum kosmetische Verarbeitung – doch können aus ihnen feine Blütenextrakte gezaubert werden wie hier bei Huberta Kunkel’s Duftpraxis ein natürliches Kirschblütendeo in einem kleinen Video wunderbar präsentiert.

An unserem früheren Wohnort begleitete uns täglich vom Aufstehen bis zur Nachtruhe ein wunderschöner, standfester, dichtest blühender Baum der Prunus serrulata ‚Kanzan‘. Es war  jeden Tag eine zarte Seelenpflege und Inspirationsquelle ihn anzusehen, in der Hauptblütezeit schien es, als ragten die Äste und  plüschig-rosafarbenen Blüten übersäten Zweige in unser Erdgeschoss-Wohnzimmer,  dicht vor dem Haus stehend. Im Herbst schenkte er das wunderschöne, oben beschriebene gold-gelbe Farbspiel, welches so manches Mal  – wie im Frühjahr seine Blüten – ungute Gedanken vertreiben half. Einer ganzen, friedlichen Vögel-Miteinander-Vielfalt von Amseln, Kohlmeisen, Tauben, Spatzen, manches Mal auch zwei kleinen Buntspechten, die aus einem unweit gelegenen Kastanienwald herübergeflogen kamen, Krähen , Elstern, ab und zu Buch- und Grünfinken und wohl noch einigen anderen Arten, die ich nicht alle bezeichnen kann, bot er das ganze Jahr über nie ausgehendes, wohlschmeckendes Futter.

In unserer Region hier dominiert neben einheimischen/mitteleuropäischen Kräutern, Wiesenpflanzen, Blütengewächsen, Mischvegetation aus Nadel- und Laubgehölzen, die rasch mal etwas „pieksig“ und besonders leicht entflammbar sein können.

Zierkirschen verbinden Menschen und Kulturen, spenden, Schönheit, Fröhlichkeit, Miteinander, Harmonie, Inspiration, Friedliches, Seelenpflege, Achtsamkeit, Wissensaustausch und Vieles mehr. Wohl kaum jemand könnte solch wunderbare Gewächse vernichten wollen. Vielleicht könnten deutlich mehr Pflanzungen dieser zauberhaften Bäume auch hier in unseren Regionen einen Beitrag spenden zu respektvollerem, wertvollerem Miteinander, jedes Frühjahr getragen von einem sanften Blütenteppich, ihrer herz- und seelenberührenden Farben, zugleich versehen mit der Stabilität des Holzigen.

Danke an Dich  Eliane  (!) für den inspirierenden Kommentar damals zu Prunus serrulata…; bis heute dauerte nun die Inspiration an…

Mein kleiner Beitrag „rosa-blühender-Baum“ erhielt im letzten Quartal 2016  über 1800 Aufrufe mit eben diesem Such-Stichwort  – dies habe ich mit Freude für meine Zeilen hier in diesem Beitrag zum Anlass genommen, um allen Besucherinnen und Besuchern meines damaligen Posts ein kleines Danke zu sagen – ebenso auch an alle Blogleserinnen und -Leser, die auf der Suche nach „duften Infos“  meinen Blog gefunden und besucht haben.

Mein Danke auch an alle Blogschreiberinnen und Blogschreiber, an Menschen, die Infomationen im Netz zur Verfügung stellen, Bücher schreiben, Historisches sammeln, um für Andere Wissensvermittlung weiterzutragen und um Laieninteressierten wie mir darin Orientierung zu geben.

 

 

quellen:

http://www.vcbf.ca/education/field-guide

http://www.fug-verlag.de/on1405

http://baumkunde.de

https://www.learningwithexperts.com/gardening/blog/barking-up-the-right-tree-beautiful-bark-tone-texture-and-temptation/

http://www.derkleinegarten.de/800_lexikon/803_gehoelze/prunus_zierkirschen.htm

http://www.plantnames.unimelb.edu.au/Sorting/Prunus_Pt3.html

http://wikipedia.org

http://www.floridata.com

https://8900km.wordpress.com/

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/stadtbaeume/de/sakura/

http://www.hamburg.de/kirschbluetenfest-hamburg/

http://justhungry.com/eating-sakura-cherry-blossoms-and-leaves-article-japan-times

http://blog.wagashi-net.de/2012/04/sakura-ukishima/

https://cherryblossomwatch.com/

http://hanamifest.org/hanami.html

http://www.fairchildgarden.org (link war zum zeitpunkt des schreibens leider nicht aufrufbar)

http://everglades.fiu.edu/reclaim/

Götz-Bödeker-Seybold, „Zander, Handwörterbuch der Pflanzennamen / Dictionary of plant names/ Dictionaaire des noms de plantes“; 17. Aflg. Ulmver-Verlag

sowie Verlinkungen im Text

persönliche Mitteilungen

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