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aromatherapie im park – „on the street“

25. August 2016

vor ein paar Tagen im Park – inmitten  Allem:

mit meinen Öltaschen an den Schultern vertieft in vielerlei Gedanken gehe ich quer durch eine zentrale Parkanlage unserer Stadt, auf dem Weg von einem Gesprächstermin bei einer Organisation, deren Auftrag es ist, das Sich-Miteinander-Einfinden von Menschen unterschiedlichster Nationalitäten in der Gesellschaft zu begleiten. „Ich nehme Ihre Anregungen gerne mit“ wird mir freundlich gesagt, zugleich Aufgabenverteilungen verschiedener Organisationen erklärt.  „Mitnehmen…“ denke ich, diesen Ausdruck in Gesprächen hörte ich in den letzten Wochen öfter.

Es ist Sonne, ein paar Wolken, Wind, Männer spielen Schach auf der Bodenfläche, der  große belebte Spielplatz ist voll mit Kindern, lachen, plaudernde Eltern, Leute sitzen auf Bänken, in der Wiese unter den großen, alten Platanen, eine Gruppe Jugendlicher powert sich fröhlich im abgegrenzten Fußballareal aus.

Als Nächstes an diesem Nachmittag möchte ich zu den Leuten in einem der Wohnhäuser in der Stadt gehen, die ich schon mehrmals besucht habe, Gedankenkreisen unter anderem um wie es wohl inzwischen dem Mann geht, der fünf Jahre beim Militär seines Landes eingebunden war, dem ich vor einem Weilchen ergänzend zu seinem Duftroller und stabilsierenden Hydrolate-Spray einen kleinen blütig-wurzeligen-sanft-krautigen Wohlbefinden-Balsam für die Unruhe seines Herzens brachte, ob ich sie heute wohl antreffen werde, ob unsere sms-Kommunikationen wohl gegenseitig ankamen, Gedanken, was wohl heute unterwegs auf mich warten wird. Für ein, zwei Tässchen feinen Mokhtar-Caj bin ich immer willkommen sagten sie vor vielen Wochen. Fast jedes Mal ergeben sich die Duft-Besuchszeiten ganz anders als ich vorhabe, ob später das Treffen mit dem pflanzen- und naturkundigen jungen Mann wie  bisher klappen wird und noch viel mehr zur selben Zeit im Geist in mir. Vor vielen Wochen schenkte er mir während einem Duftbesuch einen Teil  seiner im Heimatland selbst gesammelten Kräuter-Mischungen, deren botanischen und englisch/deutschen Namen wir (ich) noch nicht herausfanden. Eine der Pflanzen gedeiht an den felsig-kargen Felsspalten und Hängen eines der höchsten Bergzüge des Landes in der Region seiner Heimatstadt. Ihre „schönen“ Blüten, bilden sich ähnlich der des Muskatellersalbei aus, sagt er, das Pflanzenkraut selbst ist hellgrünlich, zart, an feines Getreide und Gras erinnernd; ein Teil der Pflanze ist auf dem Cover des kleinen pdf-’s „Holistic aromatherapy for human beings from all around the world“ zu sehen (siehe bitte rechts in Seitenleiste). Sie ist für allerlei Schmerzen gut sagte er, beruhigt und stärkt.  Noch Stunden später nach dem Genuß von zwei Tassen eines Teeaufgusses dieser Pflanze durfte ich selbst schon das wunderbar den Körper Wärmende, Ausgleichende und sanft Kraft spendende erspüren.

Ich höre jemanden in einer anderen Sprache singen, zwei Männer kommen von rechts auf dem Weg, es ist ein junger Mann, der viele Monate in der ehemaligen Station war, mit einem Freund neben ihm, den ich nicht kenne, ein freudiges Grinsen strahlt mich an als ich mich umdrehe, erleichtert, wie froh ich bin ihn zu sehen, sage ich, umarme und drücke ihn freundschaftlich. In den letzten Wochen fragte ich immer wieder das ehemalige Kernteam der Station, ob jemand etwas weiß von ihm, ich hörte Dieses und Jenes.  Fragte auch unter den Leuten immer mal.  Er habe gute und nicht so gute Tage, heißt es. Seit der zweiten Julihälfte diesen Jahres betreut das kleine Team separat für Menschen aus anderen Ländern, zur Entlastung der „klassischen“ Anlaufstelle der Stadt, dreimal wöchentlich während zwei Nachmittagsstunden eine Art  kleinen Treffpunkt und Aufwärmmöglichkeit. Etwas mehrsprachige Beratung,  die Möglichkeit zur Körperhygiene,  kleine Lunchpakete, hin und wieder etwas frische, gespendete Kleidung, zwei Büro-ähnliche Räume, ein schmaler Warteraum sind hier eingerichtet. Diese Stelle wird mit Ende August 2016 geschlossen, mein Freund und seine Bekannten können sich danach an die öffentliche Beratungsstelle der Organisation wenden.

Wir unterhalten uns ein wenig, sprechen über die Düfte und die Station, erzählen seinem Freund davon, er spricht fröhlich, offen, ich frage, wo er jetzt so „rum ist“, vor Längerem traf ich ihn zufällig mit ein paar Freunden an einem der Bahnhofsausgänge, „draußen“ sagt er. Wir suchen uns einen Platz auf einer der Wiesen, setzen uns einfach hin, plaudern weiter. Die Ölschachteln finden sogleich ihren Weg in’s Gras, mit etwas Nervosität in mir, was ich nun aufeinmal mache, was wohl Aroma-Bekannte sagen würden und dem Wissen, von Zeitplandurcheinander, doch es zugleich egal ist, da ich nicht weiß, wann und ob ich den jungen Mann wiedersehen werde. Die Zeit an den unterwegs-Tagen „tickt“ ohnehin ganz anders.

Ölfläschchen, Duftstreifen, mein Utensilien-Täschchen, Schächtelchen mit abgefüllten Hydrolaten, Ölmischungen, die besonders wichtige Blüten-Öl-Schachtel liegen stresslos in der Wiese, Eliane’s Duftpflanzenkarten wandern in die Hände des Freundes, vorher erkläre ich was wir machen, wie er den Duftroller verwenden kann und  – was sehr wichtig ist – nur die Düfte auszusuchen, die ihm ausgesprochen stimmig zusagen, nicht aus möglicher Höflichkeit einen Duft als gefallend bezeichnen, was in einigen Sprachkulturen leicht der Fall sein kann.  Mit unglaublich tiefer Ruhe, zugleich Wachsamkeit, im Schneidersitz in der Wiese sitzend, scherzen sie über  Jojoba „trinken“ aus dem kleinen Glasmessbecher, nehme ich Vieles wahr in der Art des Riechens des Mannes, obwohl wir uns in Englisch und meinen  noch unausgereiften Kenntnissen ihrer Sprachen unter wohlwollendem Lächeln prima verstehen; in der Muttersprache kann Manches besser erfasst werden – wir haben „Spaß“ zwischen Blütenölen wie Frangipani, Rose, fruchtig duftenden, stimmungsaufhellenden Schalenölen, holzigen Gerüchen, dem Destillat weißer Magnolienblüten, die ich meinem „Freund“ in den dünnen Plastik-Flip-Flops gleich zeige, es war einer seiner ersten Düfte, die er in der Station aussuchte, er scherzt lächlend mit einer erinnernden erklärenden Handbewegung über seinen damaligen Zustand bei unserem Dufttisch; noch an Alles erinnenrt er sich genau. Beschriften der Riechstreifen darf nicht fehlen sonst kommen wir noch „durcheinander“. Während dem Befüllen des kleinen Duftrollers, gehn die „Kumpelscherze“ parallel mit ernsteren Themen dazwischen weiter, wir sind entspannt, relaxt, ich weiß, dass die Momente dort in der Wiese nicht wiederkommen werden, kein Foto dabei, es ist auch nicht so wichtig. Seit wann er draussen unterwegs ist frage ich,  zwei Monate und zwanzig Tage antwortet er,  der Blick verändert sich, zwischen Riechen und Späßen der Männer frage ich nach seinen Verletzungen von vor einigen Tagen, die ich sehe,  ob er im Krankenhaus und bei der Behörde war frage ich, unter seinen Augen dunkel-lila Ränder durch zuwenig Schlaf und einer Vielfalt anderer Einflüsse. Der erste Duftroller ist fertig, unsere Knie der „Tisch“ zum Beschriften der Etiketten, in der eigenen Sprache und Schrift, „wie immer“ in der Duftzeit mit Leuten aus anderen Ländern..

Inzwischen kommt Sturmwind auf, Wolken und dunkleres Licht, die Kapuze des Sweaters überzuziehn, sich in den Pullover zurückziehn, da keine Jacke, ist eine häufige Geste an diesem Nachmittag, sein Freund lächelnd mit offenen Augen zufrieden mit seinem  Blüten-Frucht-Duftroller, ich erkläre nochmal wie er ihn anwenden kann. Er möchte kurz los und gleich wiederkommen um seine Jacke von der nahegelegenen Wohnung zu holen, währenddessen wird der Wind stärker, trockene, braune Platanenblätter wehn über die Parkwiesen, Kühle, es beginnt zu regnen, mein Freund rückt näher, wir machen einfach weiter und befüllen seinen Duftroller, diesmal mit einer anderen Mischung als damals, beschriften ihn. Zuvor, als sein Bekannter aufsteht,  liegen sofort seine Hände schützend und haltend auf den Karten und unseren lose ausgebreiteten Duftutensilien, damit sie nicht wegwehen und nicht nass werden, mit einem stressfreien Lächeln im Gesicht. Während er an den Duftstreifen riecht, lernt meine Beobachtung wieder ein Stückchen bestätigend dazu, die Art des Riechens gibt mir Anhaltspunkte über sein Befinden, Wahrnehmungsart und bestimmte Einflüsse, denen er ausgesetzt ist; trotz beginnendem Regen befüllen wir „in Ruhe“ noch  seinen Duftroller mit einer stimmungshebenden, beruhigend-relaxierenden, Ängste und Aufregungen lindernden,  zugleich öffnenden und die Regulierung bestimmter, für ihn wichtiger Neurotransmitter, unterstützender ätherischer Öle. Meine stille Hoffnung bleibt, einen winzigen, positiven Impuls sanft anzustoßen, mit zugleich leichter Besorgnis, keine unerwünschten parallel-Reaktionen zu initiieren, die ich vielleicht erst irgendwann bemerken kann – ich vertraue auf meine bisherigen Erfahrungen und darauf, dass wir das Richtige wählten.

Sturm und Regen werden stärker, in Windeseile hilft er mir (schneller und übersichtlicher als ich es in der Eile je könnte) alle Fläschchen, Schachteln, Utensilien in die Taschen zu geben, ohne einen Blick oder Wort von mir nimmt er beide Taschen leicht auf die Schultern, wir laufen zum nächstmöglichen Unterstellplatz in der Nähe der Wiese,  ich stehe neben dem Ende des Überdachs, „Nein“ sagt er, „Du musst Dich hierher stellen, näher“, er geht trotz  der Leute hinter ihm, soweit wie möglich zurück um mir Platz zu machen, wir warten auf seinen Freund, überlegen ob wir trotz Regenschwälle zum Wohnhaus, welches ich noch besuchen wollte, weitergehen sollen, ob sein Freund noch kommt. Dann gehen wir los einige Straßen weiter, es regnet mich durch bis zu den Schuhsohlen. Im Haus möchte ich bei ein paar Leuten das versprochene Kopfhaut-wunde-Stellen-beruhigend-pflegende Hydrolate-Haarwasser abgeben, sie sind diesmal nicht da, zwei Leute aus einem der Nachbarzimmer kommen heraus, ich bitte sie die Flasche weiterzugeben an den jungen Mann, mein Freund fragt (oder kennt jemandem vom Nebenzimmer, denke ich grad, aber nein, er fragt für mich etwas..), jemand reicht mir fast sofort ein Handtuch für meine nassen Haare zum Trocken-Rubbeln. Vom sehr interessierten, zufällig anwesenden Hausmeister hören wir, dass nächste Woche eine Tür für die seit über einem Jahr offenen, kleinen Duschräume kommen soll, nachdem ich suchend einen Blick in den schmalen Durchgang zur Küche nehme, in dem sich die Nassräume befinden, die mir vor etwa zwei Wochen einer der Leute zeigte – eine Gruppe des Hauses hatte dies bereits mehrmals bei den zuständigen Stellen deponiert. Der Hausbesorger ärgert sich etwas über die Leute, die angeblich „immer Alle zur selben Zeit duschen wollten“, denn die gebrochene Tür des zweiten Nassraumes, also ein Raum für fast zwanzig Leute, sei benutzbar. Einer der Leute, die ich schon bescuhte dort,  kommt im selben Moment „nach Haus“, öffnet das ungeräumige all-in-one-Stock-und Gästebett-Zimmer seiner beiden Kollegen und ihm, ich bitte ihn das Haarwasser an seinen Freund, der gerade im Deutschkurs ist, weiterzugeben. Es ist kein Problem, sagt er freundlich. Die Frau von nebenan sah mich schon öfter dort und lächelt mich freundlich an. Aufeinmal stehen in dem sehr engen Flur und Durchgang „viele“ Menschen rund um uns und die Dufttaschen.

Wir gehen weiter, mein Freund trägt wieder beide Taschen, mag mir die ganze Zeit keine „abgeben“, „no, it is okay“ sagt er immer wieder – unterwegs zum nächsten Park, wo wir auf den Pflanzen-Freund warten wollen, treffen wir Leute aus der ehemaligen Station und plaudern etwas. Sie sind alle ordentlich mit Schirm, ich ohne, mein Freund mit Kapuze, sie blicken schmunzelnd besorgt auf meine nasse Hose und Schuhe. Ich mag Regen, meistens. Im zweiten Park angekommen, trifft bald der Pflanzen-Mann ein, er entschuldigt sich, er soll noch für einen Freund etwas einkaufen, beim Türken, will  dann zurückkommen, seinen extra geholten Regenschirm lässt er uns da. Mit „besorgtem“ Blick zu mir geht er zur Straßenbahn -es wird eine ganze Weile dauern bis er zurück sein wird. Wir stehen beim Baum mit dem angelehnten Schirm und meinen Öltaschen darunter, der Regen hört langsam auf, wir plaudern über das Leben, über  Dies und Das aus verschiedenen Themen. Er widmete 14 Jahre seines Lebens einer friedlichen Kampfsportart, besuchte 15 Jahre lang eine Schule erfahre ich auf dem Weg zuvor. Man kann es sehen an der Art des Gehens und Stehens, der Körper-Grundhaltung und Bewegungen. Ohne intensive Medizinen fühle er sich besser, sagt er mehrmals an diesem Nachmittag. Jobs gab es viele, meistens das gute Handwerk der Bau- und Malerarbeiten. In den letzten acht, neun, Monaten seines Hierseins wechselten die Wohnmöglichkeiten,  öfter mal „time-out“ in der Stationszeit, mit Allem dazwischen wenig Raum für das Sprachen lernen bis jetzt. Das tief erschöpfte Atmen nach innen bemerke ich an diesem Nachmittag immer wieder, als spricht der Atemzug zu mir, dass auch Heute und Morgen und noch viele Tage Durchhalten gebraucht wird, die stille Frage des wielange-noch und der Lebens-Müdigkeit; bei manchen Themen gleitet sein Blick weg ohne je ungeduldig oder unfreundlich zu werden, manchmal auch hoch wahrnehmend, wir ändern fließend unsere Gesprächsinhalte. Zwei junge Teenager-Mädels umarmen sich zur Begrüßung , ich sage zu ihm sie sind Freunde weißt Du; die Art und Tiefe des fast zärtlichen Blicks, der wachen Präsenz an die Erinnerung des Verlustes eines geliebten Menschen im damals selben Alter. Diese Art Blick bemerkte ich schon oft bei den Menschen. Worte beschreiben ihn nicht.

Während wir beim Baum herumstehen sind einige Leute herum, die er grüßt, man kennt sich irgendwie, wechselt fröhlicher oder ernster ein paar Worte. Manchmal frage ich nach wer sie sind. Eine bestimmte Art des „Netzwerks“ scheint zu funktionieren, denke still, ich hoffe auch in entscheidenden Momenten. Dann sind wir wieder bei den Ölen, ein wenig Unruhe bemerke ich, bitte ihn den Roller aus der Tasche zu ziehen, zeige ihm nochmal wo und wie er ihn auftragen kann. Mit dem Roller streiche ich ein paar Minuten an der Stelle der Thymusdrüse, oberen Brustbereich sanft  mit dem Rollon und mit den Fingern nachstreichend, an den Schläfen, am Nacken in leicht kreisenden Bewegungen vom verspannten Schulter-Nackenbereich hinauf  zum Hinterkopf bis hinter die Ohren. Ich sehe frische Kratzverletzungen, frage wie das passiert ist, auch nachher als wir auf dem Rahmen der nassgeregneten Holzbänke gemütlich Platz nehmen sehe ich am Oberkörper neuere und ältere Verletzungen, frage wie es geschah. Ein paar Leute im Park sehen etwas irritiert zu uns herüber. Eine kleine Aroma-Wohlfühlbehandlung im Park – was ist schon dabei? Ich gebe ihm lächelnd den Roller, er streicht sich damit an die Handinnenflächen und dann mit Wohlgefühl seufzend in sein Gesicht und nochmal an die Schläfen, an die Wangen, etwas langsamer, sanfter sage ich zu ihm, nicht zu nah an die Augen und nicht direkt in die Sonne, wenn er so aufstreicht wie jetzt. Er sagt immer wieder „gut, gut“ in seiner Sprache die ihm gerade einfällt, seine Züge nehmen etwas Erleichterung und sich für Momente aufatmend Wohlfühlen an. Er atmet ein paar Mal tief. Seine „map“ ist bei Personen unterschiedlicher Stellen verteilt, erfahre ich im Gespräch, vor einigen Wochen ein „Interview“, „das mit der „Postzustellung“ muss noch organisiert werden – irgendwie.

Eine Gruppe Leute aus einer der Nachbarortschaften meines Wohnortes kommen neben dem Park vorbei, mein Freund ruft sie, sechs oder sieben Leute, die in der früheren Station waren, seitdem sah ich sie nicht mehr, wusste nicht wo sie weiter wohnen würden. Sie wissen schon fröhlich, dass einer ihrer jüngeren Mitbewohner mich vor ein paar Wochen mit einem anderen Freund im Zug traf und mir seine Nummer gab, wann ich zu Ihnen komme fragen sie, ich soll einfach nur den jungen Mann anrufen, sie wohnen alle zusammen sagen sie. Schnell sind wir in den ernsthaften Themen, sie sind alle in guter Stimmung in diesem Moment, grüßen herzvoll, reichen mir die Hand, wissen noch genau „Bescheid über die Duft-Stunden“ der Station. Ihre Unterkunft ist okay sagen sie. Sie lächeln freundlich gut gelaunt, schmunzeln, als ich mich mutig in ihrer Sprache verabschieden kann.

Inzwischen kehrt der Outdoor-Kräutermann mit dem typischen Einkaufssack türkischer Läden zurück, bald danach trifft auch sein Freund ein, für den die Besorgungen gedacht sind. Wir plaudern gut gelaunt über Verschiedenes, mein Freund und ich sitzen noch immer auf dem Holzrahmen. Es sorgt für freundliches Amüsement in der kleinen Gruppe als ich meinen „Lernblock“ aus einer der Taschen ziehe und  meine erworbenen Kenntnisse offenbare, als wir uns über die Unterschiede verschiedener Sprachen, und ihrem  Erlernen unterhalten,  mein „Lehrer“ lustig davon erzählt, als wir das Alphabet seiner Sprache mit den vier „z“ im Bahnhofspark aufschrieben, tauschen Wörter und Redewendungen aus; ganz nebenbei und dazwischen „plaudern“ wir auch über“hard-facts“ – , „no business no money..“ oder „no money, no school…“, Gesetze, Dokumente, Politik, Geburtsstädte, Nationen, Verfahren, immer wieder mit Lachen und Ernst, dem Hauch der Bitterness, im paar-minütlichem Themenwechsel, doch als seien wir an einem Haushalts-Kaffee-Kuchen-Tisch; ihre Augen, Züge, Körper, Tonlagen, die verinnerlichte Resilienz und Contenance sprechen noch viel mehr als ein paar Worte in meinen Zeilen. Mein Freund sitzt ein Stück weiter auf dem Holzrahmen, ab und zu verschwindet er kurz zu den Leuten bei den Nachbarbänken oder für ein paar Minuten nach „weiter Drüben“. Er kommt jedes Mal zurück, auch am früheren Nachmittag als wir im vorigen Park in der Wiese saßen; eimal kommt er mit einer gewöhnlichen Zigarette retour, nimmt ein paar Züge, gibt sie an den Kräuter-Mann weiter; es gibt kein Gerangel um die Züge, ganz locker, mehr als selbstverständlich. Der andere Freund verabschiedete sich inzwischen.

Es wurde früher Abend, rieche die vom Wind getragenen leichten Düfte der Blüten, Bäume und Erde um uns, der Hauch von Rasierwässern und Parfums von den vorbeigehenden Menschen; schüttelfrostig-durchgekühlt sitze ich während unserer Unterhaltungen auf dem halbtrockenen Rahmen der nassen Holzbank, einer der Leute bietet mir seinen dicken Sweater an, nein, sagt er, es ist kein Problem, ich lehne sehr höflich und freundlich ab, meine Fleece-Jacke und Tuch sind in meinen Taschen  sage ich, bevor ich noch fertig spreche und ihn bitte sie mir rüberzureichen, ist der Sweater ausgezogen und wird mir gereicht, er fragt “ in („the“) deutsch“ *“was ist das“ an seinem Shirt ziehend, „Schwitzen“, sage ich ganz einfach. Der Sweater bleibt noch eine Weile ausgezogen, bis wir unter freundlichem weiterplaudern unentschlossen sind ob wir zu den Spazierufern des bekannten großen Flusses ein ganzes Stück weiter unten gehen sollen oder in die Richtungen des Bahnhof, damit ich meinen Zug später noch gut erreichen kann . Zuvor nahm der Freund, der früher ging, noch „eine Nase voll“ an der kleinen Schachtel mit den Blüten- und süßduftenden Ölen. Als ich während all dem bei meinem Freund etwas steigende Nervosität spüre, frage ich ihn lächelnd und nickend nach unserem Duftroller,..“genau jetzt“ sage ich zu ihm, jetzt kannst Du daran riechen, er zieht ihn grinsend aus seiner „modern-natur-Löcher „gestylten“ Jeans, nimmt ein paar tiefe „Atem-Züge“ daran. Ein wenig unterdrückte Ungehaltenheit, doch zugleich aufmerksame Gelassenheit spüre ich in unserer Runde, es könnte „Probleme“ geben für uns Alle, später  – für meine Freunde wohl mehr als für mich, spricht einer von ihnen laut die Gedanken aus, wir bleiben noch eine Weile dort.

In unserer kleinen „Holzbank-Runde“ wandelt sich die Stimmung in Sekunden in höchste ruhige Wachsamkeit als ein Mann aus einem anderen Land von einer der Nachbarbank-Gruppen mit zwei geöffneten günstig-Bierdosen in der Hand zu uns herüber kommt, Stille der Leute um mich, er spricht mich in etwas nuschelnder Sprachart in Englisch direkt an mit ebensolchen Blicken, hörte wohl Bruchteile unserer Unterhaltung, ob alles in Ordnung sei bei mir, spricht an welche Nationen die Leute seien; mein Puls und die Spannung in der Runde steigen, verstehe nicht genau, was er möchte. Höre mich nach Außen ruhig freundlich sagen, es sind meine Freunde, wir unterhalten uns nur,  über unsere Geburtsstädte über Verschiedenes, nicht über Politik, Religion, alles in Ordnung sage ich, bedanke mich, er spricht weiter,  die Grundfronten der Nationalitäten und „Mann“ sind merklich, mein Freund ist in seiner gewohnten Wachsamkeit „auf dem Sprung“, er sagt leise zu mir „wait…“ ; ein Hauch mehr der Grenzüberschreitung zu mir und dem Herkunftsthema, sie würden sofort reagieren, friedlich zunächst, alle Drei um mich. Ich merke wie von mir Ruhe, kein verkehrtes Wort erhofft wird, konzentriere Augen auf mir, Nervosität in mir, keine Zeit für ein Öl; der Mann mit dem Bier in der Hand geht nicht, ich kann nicht alles genau verstehen, was er sagt, denn er spricht sehr leise und undeutlich, ein Wagnis um Wiederholung zu bitten, die Spannung steigt weiter, er redet nur mit mir, antworte freundlich. Nach einigen Minuten entschuldige ich mich höflich, um in einem der gegenüber-liegenden Cafés den Lady-„Frischmach-Raum“ zu besuchen. Der Blick des Kräutermannes ist bestätigend, hoffentlich passiert nichts denke ich, während ich die Straße überquere. Nachher steht der Mann mit den Dosengetränken bei einem anderen Grüppchen Leute, sieht rüber, als ich zurückkomme, die Atmosphäre etwas kühler für Momente, meine Leute sind noch da, alles gut.

Es wird Zeit für den Zug und für einen von Ihnen für das Treffen mit einem Freund. Wir schlendern mit dem Duftgepäck dreisprachig lernend-plaudernd, scherzend,  mit besorgten Gedanken zugleich in uns Allen. Sie gehen  auf selbstverständliche Weise mein Tempo, in dem Ihren bliebe mir wohl ohnehin „die Luft“ weg. Die hohe Wahrnehmungsachtsamkeit der Leute bemerkte ich schon im lezten Jahr immer wieder, sie beruhigt mich oft, auch jetzt, auf der Bahhnhofstraße. Es ist besser wir nehmen eine kleine Kurve, verlangsamend gespannte Stille steigt je näher wir kommen, weiter vorne Sicherheitsbeamte mit Hunden. Wir gehen so gelassen wie es geht weiter, sitzen nachher noch eine Weile wartend auf einer der Bänke in der Halle. Sehen Bilder in ihren Handys zu guten und unguten politischen Zeiten. Mein Freund ist seit einer ganzen Weile sehr müde geworden, während wir beim Warten  über „Crazy-junge-Leute“ in der Stadt reden, über einen weltberühmten früheren Herrscher, der sich der weltweiten Umsetzung gleichwertiger und würdiger Menschen- und Völkerrechte verpflichtet fühlte, Frieden ohne Unterwerfung unterstützte, dessen Geistesgut bereits in den Jahrzehten 500 v. Chr. als Inschriften  auf einem heute historischen Stein-Zylinder festgehalten wurden.  Aufregung über die jetzige Lage wird etwas spürbar, alles gut. Der Zug wird bald kommen, ich möchte sie nicht alleine lassen, mein Freund neben mir vertreibt seine Müdigkeit mit dem höchst fokussierten Beobachten eines schnell auf seiner Hand und Jeans krabbelnden Ameisenpärchens, er setzt sie behutsam auf dem Boden ab, beobachtet sie weiter, ich weiß dass er alles von unserem Gespräch und was sonst herum ist, deutlich wahrnimmt, zurückgezogen unter der Sweat-Kapuze. Sie begleiten mich noch immer Dufttaschen tragend bis zum Zug, wir verabschieden uns wie Freunde. Ich hoffe den Mann, der behutsam die Ameisen auf den Boden absetzte bei einem nächsten Mal wiederzusehen, zufällig – nur um zu wissen, dass er okay ist irgendwo in den Straßen und Parks. Für seine Freunde hoffe ich dies auch.

ein Duft-Nachmittag im Park

 

„Hey“ an Euch meine „Freunde“ da draußen irgendwo in den besonderen, ganzheitlichen Menschenberufen für Straße, Körper, Gesundheit und Emotionales, deren so  tolle, langjährige Berufs- und Lebenskompetenz ich so sehr vertraue und die ich schätze. In all den letzten Wochen, Monaten, versuchte ich Euch zu erreichen – falls jemand von Euch, die ganz besonders mit diesen Zeilen gemeint sind, das hier trotzdem liest oder sieht – ich mag die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich jemand von Euch doch noch rühren mag, um Menschen wie meinen Freund und einige andere Leute sinnspendend, wohlwollend, schützend, interdisziplinär professionell, etwas Perspektive gebend, gemeinsam zu unterstützen. Das wäre fein.  Danke Euch

 

 

Anmerkungen:

Freund kann in anderen Sprachkulturen nuancierter sein als wir es in seiner gebräuchlichen Bedeutung in unserem mitteleuropäischen Raum kennen.

*“in the deutsch“ ist eine kleine, freundliche Floskel, die während unserer-Vielsprachen-Unterhaltungen viele der Leute in der Station verwendeten

die Pflanzenbilder umrahmen den Text, sie sind in diesem Beitrag kein Hinweis über die individuellen Inhalte der Duftarbeit mit den Menschen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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One Comment leave one →
  1. 25. August 2016 10:57

    Marta, wieder ein Tag, an dem du den tapferen Geflüchteten Wärme, Kraft und Liebe schenken durftest.
    Es ist wunderbar, wie du deine reichen Dufterfahrungen liebevoll und einfühlend anwendest und weitergibst; aber auch der rege Austausch ist für dich sicherlich eine tiefe Bereicherung.
    Es ist ein beruhigendes Gefühl, dass es so Menschen wie dich gibt.
    Danke

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